Dienstag, 14. April 2009

Ist Internet-Demokratie die bessere Demokratie?

Ein paar Gedanken zur Politik von Peter-Wolfgang Fischer

Schaut man sich den politischen Entwicklungsprozess der Menschheit an, fällt auf, dass über die Jahrhunderte die Entscheidungsmacht von einzelnen, gottgleichen Herrschern (Theokratie, Monarchie) auf immer mehr Verantwortliche (Aristokratie, Oligarchie) und schließlich auf das gesamte Volk (Demokratie, Volksherrschaft) überging. Diese Umverteilung erfolgte selten unblutig und nie freiwillig, gleichwohl mit einer erstaunlichen Zwangsläufigkeit. Offenbar schätzen alle Menschen ihre persönliche Freiheit als höchstes Gut und jede Einschränkung aus menschengemachten Gründen, ob religiös, wirtschaftlich oder abstammungbedingt führen früher oder später zu einer Befreiungs(re)aktion, wie die Geschichte zur Genüge beweist.

Wir sind also aufgrund dieser Mechanismen mittlerweile in vielen Ländern der Erde bei der Demokratie angekommen, besser: der repräsentativen Volksherrschaft. Scheinbar ist damit auch das Ende der politischen Entwicklung erreicht, schließlich kann man das Volk, den Einzelnen, und damit die politische Macht nicht mehr weiter aufteilen.

Grundsätzlich ist die vollkommene persönliche Freiheit auch in der Demokratie noch nicht erreicht. Denn solange es Herrschaft gibt, gibt es auch Herrschende und Beherrschte mit allen daraus resultierenden Folgen. Nur in einem komplett herrschaftslosen System könnte man von einer Idealverteilung der Macht sprechen, da nun jeder einzig und allein für seine persönliche Freiheit und damit auch sein Handeln verantwortlich ist. Schon seit der Antike denken Philosophen über das Für und Wider einer solchen Anarchie nach und kommen bis heute zum Schluss, dass der Mensch wohl noch nicht reif dafür ist. Der Gegenbeweis wäre anzutreten.

Vorläufig aber haben wir nun die repräsentative Demokratie, in der das Volk wenigstens die Macht heben soll, wichtige Entscheidungen für die Gemeinschaft zu treffen, wann immer dies erforderlich ist. Tatsächlich wählt es in regelmäßigen Abständen einige wenige Vertreter, eben Repräsentanten, die dann jeweils im Parlament entscheiden, was zu tun ist. Bis zur nächsten Wahl (zumeist in 4-5 Jahren) bleibt der Wählende ohne Stimme und Einfluss, kann also nur noch aus der Ferne beobachten, ob die Repräsentanten ihn auch wirklich vertreten.

Es gab bei seiner Einführung zu Beginn des 19 Jahrhunderts gut nachvollziehbare Gründe für dieses Wahlsystem. Würde man für jede zu treffende Entscheidung jedesmal einen neuen Wahlkampf mit Wahllokalen, Stimmzetteln, Auszählungen und der gesamten nötigen Logistik beginnen, wären alle nur noch damit beschäftigt, wichtige Handlungsschritte würden blockiert oder gar nicht erst unternommen.


 

Obwohl die Väter dieser Regierungsform die Nachteile kannten, nahmen sie die dennoch in Kauf, weil es bessere Systeme eben nicht gab. Und tatsächlich weist die repräsentative Demokratie eine positive Bilanz aus. Was soziale und wirtschaftliche Sicherheit betrifft, schlägt sie deutlich alle anderen Herrschaftsformen. Die Menschen nehmen diese Vorteile gern mit, was maßgeblich zur Verbreitung der Demokratie beigetragen hat und immer noch beiträgt.

Mit den Jahren treten aber auch zunehmend die Nachteile hervor. Einer davon ist das handelnde Personal. Das System hat einen völlig neuen Menschentyp geschaffen, den Berufs-Politiker. Wie bei jedem anderen Menschen, ist sein Hauptinteresse verständlicherweise, den Job zu behalten, der ihn ernährt. Er verhält sich dabei, wie jeder andere Arbeitnehmer auch: möglichst wenig anecken und mit allen Mitteln dafür sorgen, dass der Vertrag – oder besser, der Listenplatz – verlängert wird. Im besten Fall wird er dabei bloß ein wenig opportunistisch handeln, im schlechteren ist er offen für Bestechung und Postenschieberei bis hin zum Betrug. Im Zweifel wird er aber immer zuerst sich selbst und dann seine Wähler vertreten.

Ein zweites, schwerwiegendes Manko der repräsentativen Demokratie ist ihre Schwerfälligkeit. Es geht ohnehin schon viel Energie allein durch die Absicherung der parlamentarischen Machtverhältnisse verloren, erst recht, wenn Wahlen anstehen. Noch mehr versickert aber durch interne Parteipolitik, Lobbyarbeit und nebenberufliche Tätigkeiten. Das führt immer mehr dazu, dass die Parlamente nur noch reaktiv handeln, statt, wie ursprünglich gedacht, zu planen und zu führen. Die Angst, sich beim Wähler unbeliebt zu machen, lähmt zunehmend die Legislative und führt, wenn überhaupt, zu einer Politik der Mikro-Schritte mit der Option, auch diese bei Bedarf sofort wieder zu kassieren.

Andere ältere Herrschaftssysteme haben sicher schwere Konstruktionsmängel, aber in Hinblick auf die Entscheidungsfreude sind sie der repräsentativen Demokratie überlegen.

Der Wähler, dessen Stimme sich in der Hand einiger weniger Vertreter befindet, stellt immer häufiger fest, dass sich viel weniger bewegt als erwartet oder schlimmer noch, die Versprechen seiner Repräsentanten sich ins Gegenteil verkehren. Dass seine Stimme nicht nur nicht zählt, sondern womöglich sogar der Gegenseite zugerechnet wird. Er stellt zudem fest, dass er wenig bis gar keine Möglichkeiten hat, daran etwas zu ändern, denn verabredungsgemäß hat er für eine ganze Wahlperiode auf seinen persönlichen, direkten Einfluss verzichtet.

Gleichzeitig fällt es dem Wähler von Wahl zu Wahl immer schwerer sich überhaupt noch für einen Vertreter zu entscheiden, weil sie sich immer ähnlicher werden. Was kein Wunder ist, sondern zwangsläufig in Systemen passieren muss, wo die Mehrheit regiert. Die befindet sich nämlich rein rechnerisch – Gauß sei Dank – immer in der Mitte einer Gruppe, in diesem Fall des ganzen Volkes und bildet dort einen Glockenkörper. Wer also viele Stimmen bekommen will, muss möglichst viel von dem versprechen, was sich die Leute im Glockenberg wünschen. Da das aber letztlich für alle politischen Gruppierungen gilt, gleichen sich Programme und Personen immer mehr an, bis sie nicht mehr zu unterscheiden sind. Womit sich demokratische Wahlfreiheit de facto erledigt hat.

Jetzt könnte man einwenden, dass diese Entwicklung zwar langweilig aber dennoch sinnvoll ist, da man wohl voraussetzen kann, dass die Entscheidungen aller politischen Parteien auf diese Weise dem Wunsch der breiten Masse und damit dem demokratischen Grundgedanken entsprechen. Dabei wird aber übersehen, dass Gesellschaften dynamische Systeme sind, die ständig Veränderungen unterworfen sind. Diese Veränderungen erfolgen immer schneller und radikaler. Vieles, was vor einem Jahr noch gegolten hat, ist inzwischen obsolet. Die Halbwertzeit getroffener Entscheidungen, beschlossener Gesetze, wird immer kürzer. Darauf aber können die verantwortlichen Berufspolitiker in der Regel kaum reagieren. Erstens sind sie dem Programm verpflichtet, mit dem sie zur Wahl angetreten sind, auch wenn es inzwischen von der Wirklichkeit überholt sein sollte und zweitens fehlt ihnen der Zugang zum Alltag der Menschen und deren Sorgen, weil sie beruflich mit anderen Dingen beschäftigt sind, so dass ihnen entscheidende Signale entgehen.

Diese Entwicklung führt zu absurden und gleichzeitig beunruhigenden Ergebnissen. Immer häufiger liegt bei Kommunal- oder Landtagswahlen die Wahlbeteiligung unter 50%. Immer häufiger schaffen es dabei radikale Gruppierungen in die Parlamente zu kommen. Die Botschaft ist klar: der Durchschnittswähler glaubt nicht mehr an das System! Zu oft hat er erlebt, dass seine Vertreter Interessen ignoriert, Versprechen gebrochen und ihm immer neue Lasten aufgebürdet haben. Er hat gelernt, dass es keinen Unterschied macht, wem er seine Stimme gibt, da das Ergebnis in jedem Fall nicht das sein wird, was er gewählt hat.

Schließlich entscheidet er sich zum logischen Schritt: er verweigert seine Stimme. Dass er damit die Kreuze der aktiven Urnengänger aufwertet, ist einer der fatalen Konstruktionsfehler der repräsentativen Demokratie. So kann es passieren, dass eine Partei mit einem Mehrheitsergebnis von 30% aller abgegebenen Stimmen für vier Jahre die Geschicke einer ganzen Region bestimmen kann, obwohl sie rein rechnerisch dabei gerade mal 15% der Menschen per Stimmzettel hinter sich hat. Viel schlechter sah es da zu Zeiten der Aristokratie auch nicht aus.

Kein Wunder, dass ab und zu Stimmen laut werden, eine allgemeine Wahlpflicht einzuführen, entsprechend der Wehr- und Schulpflicht. Länder wie Griechenland, Belgien, Australien oder Kongo verwenden dieses Instrument, um die Legitimierung der Wahlen nicht zu gefährden. Andererseits – ist Wahlpflicht demokratisch? Wenn man sich nur zwischen Pest oder Cholera entscheiden kann, ist das überhaupt eine Wahl? Ist da nicht Stimmverweigerung der wesentlich demokratischere Ansatz und die einzige Möglichkeit zu zeigen, dass ich weder das eine noch das andere will.

Tatsache ist jedenfalls, die Partei der Nichtwähler wird immer größer. Viele Politiker entdecken als Ursache in den letzten Jahren eine allgemeine Wahlmüdigkeit. Es gibt ihnen zufolge einfach viel zu viele Wahlen in zu kurzer Abfolge, als das die Leute noch wirklich Interesse haben könnten. Mag sein, doch wie kommt es dann, dass Millionen von Menschen offenbar nicht zu müde sind, ihren Superstar, das Tor des Monats, den besten iTunes-Song oder den nächsten Kandidaten für Big Brother zu wählen. Und das fast täglich und sogar auf eigene Kosten? Es gibt kaum eine Web-Community die nicht irgendein voting am Start hat, kaum ein social network ohne tägliche Stimmabgaben. Statt müde zu werden, nehmen immer mehr User eifrig dran teil.

Aber hier handelt es sich um bloßes Entertainment, Freizeitspaß ohne größere Bedeutung – mit Politik überhaupt nicht zu vergleichen. Das wird gern entgegen gehalten, sobald derartige Argumente auftauchen. Bei einer politischen Wahl trifft man lebenswichtige und langfristige Entscheidungen, die alle Bereiche des täglichen Seins betreffen, was bei DSDS wohl kaum der Fall ist (sieht man mal von den Kandidaten selbst ab).

Wenn es tatsächlich stimmt, dass politische Wahlen derart tiefgreifende Bedeutung haben, dann sollte man sich ernsthaft Gedanken über die repräsentative Demokratie machen. Was bedeutet es dann, wenn bei der letzten Bundestagswahl in Deutschland die stärkste Partei gar nicht im Bundestag vertreten war, nämlich die Partei der Nichtwähler. Wie sieht es mit der Legitimation der Regierenden aus, wenn ein Viertel der Bevölkerung ihnen das Stimmkreuz verweigert? Kann man sich ohne deren Stimme noch mit Fug und Recht als Vertreter des Volkes begreifen?

Wenn aber allgemeine Wahlpflicht nicht wirklich demokratisch ist und wir für Anarchie noch nicht reif sind, was könnte dann der Ausweg aus dieser unglücklichen Spirale sein?

Rekapitulieren wir: der Berufspolitiker ist anfällig für egoistische Entscheidungen, das Parlament ist zu sehr mit sich und seiner Machtkonstellation beschäftigt, Entscheidungen werden mit Blick auf Wiederwahl populistisch getroffen, die politischen Werkzeuge sind zu träge um mit der realen Entwicklung Schritt zu halten, langfristige Planungen oder gar Visionen bleiben auf der Strecke. Dies alles, weil zur Gründerzeit der repräsentativen Demokratie weder Mittel noch Wege zur Verfügung standen, das Volk jedesmal zu befragen, sobald wichtige Entscheidungen anstanden.

Und heute? Heute kann man an fast jedem Punkt der Welt aktuelle Börsenkurse in Echtzeit abrufen, Flüge buchen, Medikamente kaufen, einen Partner finden, der sich auf der anderen Erdhalbkugel befindet, man kann sich mit fast allem versorgen ohne auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen. Viele Menschen treffen problemlos und immer wieder durchaus lebenswichtige und tiefgreifende Entscheidungen mit einem Mausklick im Internet. Wie würden sie wohl klicken, wenn sie gefragt werden, ob sie die Abwrackprämie verlängern oder die Hypo-Real-Estate bankrott gehen lassen wollen? Wahrscheinlich teilweise spontan aus dem Bauch, nach Gefühl, oder kühl überlegt, nachdem man sich ausführlich informiert hat – das Internet bietet alle Möglichkeiten dazu. Wie auch immer, die Menschen würden sich genauso entscheiden, wie sie es auch bei der Wahl (oder Nichtwahl) ihrer Partei gemacht haben.

Wir haben den biometrischen Ausweis mit digitalen Fingerabdrücken, wir zahlen bargeldlos und hinterlassen eine leuchtende Spur unserer Interessen und Vorlieben dabei, wir können unsere Position auf diesem Globus bis auf wenige Meter genau dank GPS bestimmen, die Zentren der großen Städte sind lückenlos kameraüberwacht, mit sieben Merkmalen kann Interpol fast jeden Verdächtigen per Rasterfahndung lokalisieren – die Welt ist digital vernetzt und wir sind es damit auch. Nur wählen tun wir nach wie vor per Stimmzettel in der Wahlkabine einmal alle vier Jahre. Während wir hundert Emails pro Tag versenden, Telefongespräche rund um den Erdball führen, uns in Blogs veröffentlichen und live zusehen, wie in Bogota Polizisten ein Drogenversteck ausheben bleiben wir für diese vier Jahre von der politischen Willensbildung ausgeschlossen, als wäre der Bundestag auf einem Lichtjahre entfernten Planeten.

Nein, die Wähler sind nicht müde sondern verdrossen. Die Systeme passen nicht mehr zu einander, sie sind asynchron und das schon eine ganze Weile. Bewusst oder unbewusst spüren wir, dass es Zeit ist, die politischen Werkzeuge den heutigen Möglichkeiten anzupassen. Genauso hilflos, wie ein Automechaniker (er heißt nicht ohne Grund heute Mechatroniker), mit Schraubenzieher und Schraubschlüssel vor der Motorhaube eines modernen 7er BMWS steht, steht die parlamentarische Politik vor dem globalen Weltmotor. Wir brauchen den Politroniker, der digital vernetzt aktuelle Stimmungen analysiert, bündelt und sein Votum entsprechend anpasst. Adäquat zum Mechatroniker, der per Computer in Motor und Elektronik des Autos hineinhorcht, bevor er die notwendigen Schritte unternimmt, sollte der Politroniker in seine Wähler hineinhorchen um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Statt vier Jahre auf die nächste Chance zum Kurswechsel zu warten, sollte jeder mündige Bürger jeden Tag die Chance haben, seine eigene Entscheidung zu wichtigen politischen Themen zu treffen. Ganz bequem, im Internet, per Mausklick. Mag sein, dass darunter Entscheidungen zu Themen anstehen, mit denen sich der Klickende überhaupt nicht auskennt, dann macht er seinen Klick eben nach Gefühl. Es ist eine schlichte Tatsache, dass jeder von uns wenige Themen kennt, in denen er Experte ist und weitaus mehr solche, von denen er keine blasse Ahnung hat. Das trifft auch auf unsere heutigen Parlamentarier zu. Dennoch müssen sie jeden Tag ihre Hand für oder gegen ein Gesetz heben. Es gibt also kaum begründete Sorge, dass die ‚Laien' vor dem Computer dramatisch anders entscheiden würden. Im Gegenteil, weil bei der Internet-Abstimmung zumindest die Lobbyisten und der Fraktionszwang wegfallen, dafür aber tagesaktuelle Erkenntnisse und neueste Zahlen einfließen können, dürften die Ergebnisse wesentlich besser den aktuellen Stand der Diskussion widerspiegeln. Denken wir an dieser Stelle einmal daran, was die Wurzel des Wortes Politik ist, nämlich das griechische polis, die Gemeinschaft. Politik ist also das Entscheiden und Handeln einer Gemeinschaft.

Interessanterweise wird als Hauptargument gegen die Internet-Demokratie immer wieder die Unkontrollierbarkeit und Emotionalität der so ermittelten Volkswillen angeführt. Was, wenn gerade ein Kind von einem Päderasten ermordet wurde und man würde über die Wiedereinführung der Todesstrafe abstimmen lassen? Würden sich dann nicht die meisten Menschen zum Lynchmob sammeln und alle Kinderschänder hängen? Abgesehen davon, dass man bei Entscheidungen dieser Art durchaus ein mehrstufiges Verfahren einplanen könnte, schließlich geht es hier wirklich um Tod und Leben, kann man gut an Amerika sehen, das so etwas nicht zu befürchten ist. In sämtlichen Staaten, in denen die Todesstrafe bisher abgeschafft wurde, haben selbst die furchtbarsten Massaker nicht zur Wiedereinführung geführt, obwohl oder gerade weil dazu eine Volksabstimmung durchgeführt wurde.

Überhaupt zeigt sich, dass in Ländern, in denen regelmäßig Volksabstimmungen durchgeführt werden (z.B. Österreich, Schweiz, Italien, USA) die Ergebnisse durchweg moderat und sachlich waren. Selbst bei sehr emotionalen Themen. Der Grund liegt hier in dem statistischen Umstand, dass selbst die Gaußsche Mitte immer noch sehr heterogen ist, wenn es um konkrete Lebensfragen geht. Was wir jederzeit an uns selbst überprüfen können: wie oft sind wir genau der gleichen Meinung unserer Freunde, oder nur zum Teil, oder sogar absolut konträr? Wie viel mehr gilt das dann wohl für Menschen, die nicht zu unserem Bekanntenkreis zählen.

Zugegeben, es sind wichtige Fragen zu klären, um den Wechsel zu einer Internet-Demokratie möglich zu machen. Zuvorderst die Sicherheit. Wie kann man Manipulation und Missbrauch verhindern, wie die Identität gewährleisten? Dann das grundsätzliche Verfahren; bedeutet eine Mehrheit sofort ein gültiges Gesetz, oder gibt es zunächst qualifizierende Verfahren, je nach Bedeutung der Entscheidung? Wer stellt überhaupt die Entscheidungen zur Diskussion? Wer verwaltet die Entscheidungen und gießt sie in wasserdichte Wortform? Brauchen wir überhaupt noch ein Parlament? Wer entwickelt und kontrolliert die Abstimmungen? Und wer kontrolliert die Kontrolleure?

Aber abgesehen von diesen Hürden – die wir ganz sicher nehmen können und werden, wenn wir nur wollen – über kurz oder lang wird sich das aktuelle politische System selbst abschaffen, wenn es nicht mit der Zeit geht, genau, wie so viele vorher im Laufe der Zeiten. Es gibt schon eine ganze Reihe Politiker die das wissen und andere Wege gehen. Nicht zuletzt Barack Obama, der seinen fulminanten Wahlsieg sicher auch einem klug geführten Internet-Wahlkampf verdankt. Auf dem Weg zum freien, selbstbestimmten Menschen führt letztlich kein Weg an mehr politischer Beteiligung und damit persönlicher Verantwortung vorbei. Die technischen Mittel sind jedenfalls vorhanden.


 


 


 


 


 

Dienstag, 15. Januar 2008

Domainbox fällt dauernd aus

Ist jemand beim deutschen Hosting-Provider Domainbox.de? Herzliches Beileid! Ich bin leider dort mit meiner Seite http://www.klar-rock.de und neuerdings fällt der Server fast täglich zwischen 2-20 Stunden aus! Falls ihr nach einem guten Hoster sucht: NICHT domainbox nehmen!

Donnerstag, 6. September 2007

Pavarotti

Gestern ist Pavarotti gestorben. Pavarotti! Der Mann ist eine Legende. Schon seit mindestens 50 Jahren. Okay, er wurde 71, das ist nicht wirklich schlecht, für jemanden, der angeblich drei Portionen Pasta zum Frühstück und das Dreifache zum Mittag reinfuhr. Aber andererseits, der Mann war wirklich einmalig. Nessun dorma', wer könnte da mithalten! Darf so jemand überhaupt sterben?

Ich sehe sein Gesicht in den Nachrufbildern im Fernsehen und habe ein seltsames Gefühl. Unwirklich? Ungläubig? Traurigkeit?

Wenn jemand vom Kaliber eines Pavarottis stirbt, mit diesem Talent – dann ist Talent auch nur eine Zeiterscheinung; ist dann die Kunst, die daraus entsteht, auch nur eine Zeiterscheinung? Nein, es gibt ja Konserven, CDs, Platten, MP3s, Rettung für die Ewigkeit.

Okay, bei Bildern mag das stimmen, bei Skulpturen oder Literatur. Auch bei Musik?

Musik hat vier Dimensionen, die Vierte ist die Zeit die wir mit ihr verbringen. Sie entwickelt sich durch unsere Ohren in unsrem Hören Stück für Stück, Sekunde für Minute für Stunde. Eine Aufnahme hält sie an, wie ein Schnappschuss. Die Zeit bleibt stehen. Die Musik auch. Wir können sie uns zwar immer wieder anhören, aber sie wird uns niemals mehr überraschen.

Pavarotti. Ich gucke in dies Gesicht und spüre etwas: Bewunderung, Neid, Bedauern, Mitleid. Hatte er ein schönes Leben? Wollte er das alles? Hatte er Freunde, obwohl er weltberühmt war. Popelte er in der Nase?

Was ist jetzt mit der Lücke, die entsteht, wenn so einer geht. Gibt es die überhaupt? Oder haben wir uns bloß aus Faulheit nie dafür interessiert, ob es nicht schon Nachfolger gibt, solange es ihn gab? Wie viele Lücken gab es wohl in der Geschichte, die wir heute absolut nicht mehr spüren, von der wir definitiv nichts mehr wissen. Caruso – vermisst den jemand, oder Mario Lanza? Wahrscheinlich sterben die Vermisser mit den Idolen.

Darüber muss ich mal richtig nachdenken…

Dienstag, 28. August 2007

What is Nihilit?

Nihilit

© 1947 Kurt Kusenberg


 

Ein Mann namens Rotnagel erfand einen neuen Klebstoff, der sehr vertrauenswürdig aussah und nach Oleander duftete; viele Frauen bedienten sich seiner, um angenehm zu riechen. Gegen diese Unsitte kämpfte Rotnagel heftig an - er wünschte, daß seine Erfindung sinngemäß verwendet werde. Gerade das aber bot Schwierigkeiten, denn der neue Klebstoff klebte nichts, jedenfalls nichts Bekanntes. Ob Papier oder Metall, Holz oder Porzellan - keines von ihnen haftete am gleichen oder an einem fremden Material. Bestrich man einen Gegenstand mit dem Klebstoff, so glitzerte dieser vielversprechend, aber er klebte nicht, und darauf kam es ja eigentlich an. Trotzdem wurde er viel benutzt, weniger aus praktischen Gründen, sondern wegen des herrlichen Oleanderduftes.


 

Rotagel war kein Narr. Er sagte sich: ein Klebstoff, der nichts klebt, verfehlt seinen Zweck; es muß also etwas erfunden werden, das sich von ihm kleben läßt. Sicherlich wäre es einfacher gewesen, die Erzeugung einzustellen oder seinen Mißbrauch durch die Frauen hinfort zu dulden, doch der bequeme Weg ist verächtlich. Darum gab Rotnagel drei Jahre seines Lebens daran. einen Werkstoff zu entdecken, der sich von dem Klebstoff kleben ließ, allerdings nur von diesem.


 

Nach langem Überlegen nannte Rotnagel den neuen Werkstoff Nihilit. In der Natur kam Nihilit nicht rein vor, man hat auch nie einen Stoff finden können, der ihm von ferne glich; es wurde mit Hilfe eines überaus verwickelten Verfahrens künstlich erzeugt. Nihilit hatte ungewöhnliche Eigenschaften. Es ließ sich nicht schneiden, nicht hämmern, nicht bohren, nicht schweißen, nicht pressen und nicht walzen. Versuchte man dergleichen, so zerbröckelte es, wurde flüssig oder zerfiel zu Staub; manchmal freilich explodierte es. Kurzum, man mußte von jeder Verarbeitung absehen.


 

Für Zwecke der Isolation kam Nihilit nicht recht in Frage, weil es sehr unzuverlässig war. Bisweilen isolierte es Strom oder Wärme, bisweilen nicht; auf seine Unzuverlässigkeit konnte man sich allerdings verlassen. Ob Nihilit brennbar sei, blieb umstritten; fest stand nur, daß es im Feuer schmorte und einen ekelhaften Geruch verbreitete. Dem Wasser gegenüber verhielt sich Nihilit abwechslungsvoll. Im allgemeinen war es wasserfest, doch kam auch vor, daß es Wasser gierig in sich aufsog und weitergab. Ins Feuchte gebracht, weichte es auf oder verhärtete, je nachdem. Von Säuren wurde es nicht angegriffen, griff aber seinerseits die Säuren heftig an.


 

Als Baumaterial war Nihilit schlechterdings nicht zu gebrauchen. Es stieß Mörtel geradezu unwillig ab und faulte, sobald es mit Kalk oder Gips beworfen wurde. Dem erwähnten Klebstoff war es gefügig, doch was half das bei der Neigung zu plötzlichem Zerfall? Wohl ging es an, zwei Stücke Nihilit so fest aneinanderzukleben, daß sie untrennbar wurden, aber das führte auch nicht weiter, denn das nun größere Stück konnte jeden Augenblick zerbröckeln, wenn nicht gar mit lautem Getöse zerspringen. Deswegen sah man davon ab, es im Straßenbau zu verwenden.


 

Aus den Zerfallserscheinungen des Nihilits wiederum war kaum etwas zu profitieren, weil keinerlei Energien dabei frei wurden. Zu wiederholten Malen wurde festgestellt, daß der neue Werkstoff sich nicht aus Atomen zusammensetzte; sein spezifisches Gewicht schwankte ständig. Nihilit hatte, das sei nicht vergessen, eine widerliche Farbe, die dem Auge weh tat. Beschreiben kann man die Farbe nicht, weil sie keiner anderen vergleichbar war.


 

Wie man sieht, wies Nihilit im Grunde wenig nützliche Eigenschaften auf, doch ließ es sich mit Hilfe des Klebstoffs kleben, und dazu war es ja erfunden worden. Rotnagel stellte den neuen Werkstoff in großen Mengen her, und wer den Klebstoff kaufte, erwarb auch Nihilit. Obwohl die Explosionsgefahr nicht gering war, lagerten viele Menschen ansehnliche Bestände bei sich ein, denn sie liebten es, mit dem Klebstoff umzugehen, weil er so herrlich nach Oleander duftete.

Stress

Stress hat jeder. Seit Jahren wird nach den Ursachen geforscht, es fehlen trotzdem richtig überzeugende Ergebnisse. Ohne genau den Anfang bestimmen zu können, merken wir, wie uns eine innere Unruhe, Anspannung befällt, die manchmal schleichend manchmal blitzartig ansteigt. Alles kann Stress auslösen: Partnerschaft, Familie, Freunde, Beruf, Sport, Essen, Denken, Telefonieren, Behörden, Autoverkehr und vieles mehr. Sogar Urlaub ist durchaus stressig, wenn wir ihn verkehrt angehen. Genau genommen ist das Leben selbst zumindest zu einem Teil reiner Stress.

Gibt es denn eine Gemeinsamkeit bei all den verschiedenen Stressmomenten? Wenn man ein wenig drüber nachdenkt, ist die Antwort leicht: die Zeit! Sie gibt Ziele, Deadlines, Plänen und Projekten ein konkretes und oftmals drohendes Ende. Irgendetwas muss erledigt, geklärt, gebaut, besprochen, entworfen oder überwunden werden; wir merken, dass unsere Kräfte möglicherweise nicht ausreichen, zumindest nicht im vorgegebenen Zeitrahmen, können aber auch nicht einfach hinschmeißen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß steigender Druck und am Ende mörderischer Stress. Unser Feind ist nun die Uhr, denn sie tickt unerbittlich die Sekunden bis zum Moment unseres Scheiterns hinunter. Wir verkrampfen, was alles noch schwieriger macht und versagen am Ende fast zwangsläufig.

Die Uhr ist das Synonym der Zeit, gäbe es sie nicht, hätten wir auch keinen Stress. Anders gesagt, ohne Zeitmessung hätten wir viele Probleme gar nicht.

Man kann das sehr einfach selbst probieren. Erster Schritt: alle Uhren abhängen, ablegen, wegschließen. Fernsehen und Radio ausschalten, Terminplaner zuklappen, alles was die Zeit rastert, aus dem Sichtfeld verbannen. Nach einer Weile, in der wir vielleicht noch darüber nachdenken, wie spät es wohl gerade ist, wird die gemessene Zeit immer unwichtiger und die gefühlte Zeit gewinnt an Bedeutung. Die gefühlte Zeit ist unsere Zeit. Sie gehört uns und ist genauso individuell, wie unser Fingerabdruck. Jeder Mensch fühlt einen anderen Rhythmus und sich nur wohl, wenn er danach leben kann. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob wir gerade relaxen oder voll in Action sind. Die Basis unseres Seins, ist unser eigener Rhythmus, unsere innere Uhr.

Darum fühlen wir auch jedesmal Stress, wenn wir aus diesem Rhythmus heraus müssen. Und je mehr wir das müssen, umso schlimmer wird er. Es gibt leider viele Menschen, die glauben, ihr Rhythmus sei der einzig richtige und wollen alle anderen ‚bekehren'. Was ersten sinnlos und deshalb zweitens ziemlich idiotisch ist. Am leistungsfähigsten sind wir alle, wenn wir das, was wir tun (müssen), in unserem eigenen Takt tun (dürfen). Wenn man uns also zu einem falschen, ungesunden Rhythmus zwingen will, sollten wir also durchaus Widerstand leisten. Letztlich kommt das allen zugute, denn ausgeglichene Menschen führen keine Kriege, streiten nicht und sind offen für kreative Gedanken. Und genau das wollen wir schließlich alle, oder?

Helden wie wir?

Ich trinke einen Jägermeister
Und wecke alle guten Geister,
die in mir drin.

Jetzt könnt' ich Heldentaten tun,
Doch das muss ruh'n,
weil ich besoffen bin!

Donnerstag, 23. August 2007

Schweres Sudoku - gelöst, Schritt für Schritt






Hier ist es. Ein ziemlich schweres Sudoku. Es hat definitiv nur eine einzige Lösung und die wollen wir finden, Schritt für Schritt.


Erst mal ein kleiner Überblick: 23 Zahlen sind vorgegeben, also 28% aller Felder. Es kommen bereits alle Zahlen von 1-9 vor. Ein Vorteil? Man wird sehen.


Zunächst suchen wir nach Ausschluss-Zahlen, die sich durch einfache Zeilen- und Spalten-Sperren ergeben.



Einfache Sperren

1


è
in jedem der neun 3x3 Quadrate und pro Zeile und Spalte dürfen die Zahlen 1-9 nur einmal vorkommen.


Also ergibt sich die Position der 3 (grünes Feld) in der linken oberen Ecke sofort, weil die restlichen freien Felder durch die bereits vorhandenen 3er geblockt sind (rote Balken, gelbe Kreise).

2


Auf dieselbe Art finden wir eine weitere 3, diesmal allerdings mithilfe von drei gesperrten Zeilen, bzw. Spalten.


Gibt es noch mehr einfache Sperren? Scheinbar nicht.


Also schauen wir mal, wie weit wir mit dem Rest-Test kommen…



Der Rest-Test

3

In der mittleren Spalte fehlen nur noch drei Zahlen: Eins, Fünf und Sieben (gelbe Felder).


Theoretisch könnten sie in jedem dieser drei Felder stehen.


Doch halt! Im mittleren 3x3-Quadrat (roter Rahmen) gibt es bereits eine Fünf und eine Sieben (eingekreist). Die beiden Zahlen dürfen in diesem Quadrat nicht mehr auftauchen!


Es bleibt also nur noch die Eins (grün) übrig.


Nett, dieser Rest-Test, oder!




Damit taucht nun wieder eine einfache Sperre auf. Schon entdeckt?


Richtig!


Dank der gerade gefundenen Eins im mittleren Quadrat bleibt für die Eins im oberen mittleren Quadrat nur noch eine einzige Position.


Gibt es noch mehr solch einfacher Lösungen? Nein, scheinbar war's das leider schon wieder.


Dann versuchen wir mal etwas anderes…



Rest-Test & Zwei-Sprung

5








Schauen wir uns nochmals das zentrale Quadrat an. Was ergibt der Rest-Test? Es fehlen noch 4 Zahlen, nämlich die Zwei, Vier, Sechs und Neun.


Weil die Zwei und die Sechs schon in der mittleren Zeile stehen (eingekreist), können die beiden Zahlen nur noch oben links oder unten rechts im Quadrat stehen (gelbe Felder). Logisch.







Daraus folgt für die restlichen zwei Felder, dass dort auf jeden Fall Vier oder Neun stehen müssen.













Wenn wir jetzt das mittlere Quadrat oben betrachten und einfache Sperren mit der Vier testen (rote Balken, gelbe Kreise), sehen wir, dass sie in jedem Fall in der rechten Spalte stehen muss (gelbe Felder).


Deswegen kann im zentralen Quadrat im mittleren rechten Feld keine Vier mehr stehen. Es bleibt also nur noch die Neun. Heureka!












Und dadurch steht auch sofort fest, dass im anderen Feld eine Vier stehen muss. Zwei auf einen Streich (grüne Felder)!


In dieser Zeile fehlen nur noch Fünf und Sieben. Und der mittleren Spalte fehlen auch nur noch zwei Zahlen - ebenfalls Fünf und Sieben. Sehr interessant!


Können wir eine davon vielleicht jetzt schon eintragen? - Sieht nicht so aus.


Also versuchen wir nochmal einen Rest-Test…

6

LÖsung 5



Erstmal können wir sehen, dass wir etwas über die Sieben und Neun im linken oberen Quadrat sagen können. Da beide Zahlen schon in der dritten Zeile stehen, bleiben nur noch zwei Positionen (gelbe Felder).











In der gesamten 2. Spalte fehlen damit noch vier weitere Zahlen: Zwei, Vier, Sechs und Acht (gelbe Felder).


Wir entdecken aber in der 8. Zeile (rot markiert) schon drei dieser Zahlen (eingekreist). Damit bleibt nur noch eine Zahl übrig…















… die Vier!


So langsam kommen wir voran.


Gibt es vielleicht ein paar einfache Sperren?


Momentan wohl nicht.


Also wieder mal der Rest-Test…

7



Jetzt haben wir sicher schon einen gewissen Blick für Reste entwickelt. Hier kommt ein besonders schönes Beispiel.


Im unteren rechten Quadrat stehen erst drei Zahlen fest (Vier, Sechs und Acht). Es fehlen also noch 6(!) weitere. Trotzdem können wir zumindest eine davon definitiv eintragen.


Dort, wo sich die 8. Spalte und 7. Zeile in diesem Quadrat schneiden, fallen nämlich wegen einfacher Sperre fünf davon weg (gelbe Kreise). Folglich bleibt nur noch eine übrig…


… die Zwei!


Irgendwie verblüffend, oder?


  • Übrigens findet sich fast immer eine solche Ausschluss-Kreuzungen in Sudokus, in denen man ansonsten hoffnungslos feststeckt.


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Schauen wir uns mal die 8. Spalte an (rot umrandet), in der wir gerade die Zwei eingetragen haben. Wir sehen, dass die Zahlen Drei, Sieben und Neun, nicht in den beiden untersten Feldern stehen können. Andererseits steht fest, dass diese Zahlen in den verbleibenden drei Feldern im rechten unteren Quadrat stehen müssen (gelbe Felder).Für Eins und Fünf (eingekreist, graue Felder) bleiben dann also nur noch die beiden untersten Felder in der Spalte.


Es fehlen jetzt noch die Zahlen Vier, Sechs und Acht in der 8. Spalte.


Da aber die Vier und Sechs schon in der 2. Zeile stehen (eingekreist, rot markiert), fallen sie durch einfache Sperre in dem mittleren Feld des oberen rechten Quadrates weg (rot durchgestrichen).


Dort muss also die Acht stehen. Wir tragen sie ein!


Irgendwie riecht es jetzt förmlich nach einfachen Sperren, oder? Schauen wir also mal…

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Durch die gerade gefundene Acht finden wir sofort die nächste: sie kann nur noch rechts unten im mittleren oberen Quadrat stehen.

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Moment mal, war da nicht etwas mit der Vier vorhin? Genau, im 5. Schritt hatten wir doch herausgefunden, dass …


Unsere Annahme stimmte haargenau, wie man nun sieht. Die Vier kann jetzt nur noch oben links im mittleren oberen Quadrat stehen. Einverstanden?

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Bleiben wir bei der Vier. Durch drei weitere einfache Sperren ergibt sich eine eindeutige Vier-Position: ganz rechts in der 3. Zeile.


Geht ja wie geschmiert…

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Wo wir schon mal bei der 3. Zeile sind: die Eins kann nun nur noch im rechten Oberen Quadrat neben der Sieben stehen.

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Und noch eine Eins findet sich: oben rechts im mittleren rechten Quadrat. Wieder durch einfache Sperren.

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Nun wenden wir nochmal den Zwei-Sprung an.


Dazu schauen wir uns das rechte mittlere Quadrat und die Sechsen in der 5. Zeile bzw. 7. Spalte an. Durch einfache Sperren finden wir heraus, dass die fehlende Sechs in dem Quadrat auf jeden Fall in der unteren Zeile stehen muss (gelbes Rechteck).


Damit steht automatisch fest, dass im zentralen Quadrat die fehlende Sechs oben rechts sein muss.

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Nun fehlt im zentralen Quadrat (rot umrandet) nur noch eine Zahl, nämlich die Zwei!


Die tragen wir ein und haben den ersten Zahlenblock fertig. Glückwunsch!

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Weiter geht's mit einfachen Sperren:


Hier finden wir eine weitere Zwei…

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Und noch eine!

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Im oberen mittleren Quadrat fehlen noch Fünf und Sieben (irgendwie ist dies das durchgehende Thema!)


Die rechte Spalte ist schon besetzt (eingekreiste Fünf). Also ist die gesuchte Fünf ganz oben.


Und damit ist auch klar, dass die Sieben (!) ganz unten in der Spalte die Zahlenreihe komplettiert.

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Im oberen mittleren Quadrat (rot eingerahmt) ist nur noch ein Feld frei – für die Sieben.

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Noch eine Sieben…







... da war doch etwas mit der Neun?

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Richtig, unter der gerade eingetragenen Sieben nämlich (siehe Schritt 6).


Und die nächste Neun können wir dann auch gleich in der obersten Zeile eintragen. Nur dort passt sie noch hin!

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Jetzt können wir in einem Schlag für alle fehlenden Sechsen, ausgehenden von der in der obersten Zeile, das jeweils passende Feld finden. Eine nette Kettenreaktion.


Ruhig nochmals überprüfen – es stimmt!

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In der 6. Spalte fehlt nur noch die Drei – die tragen wir ein.

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In der 7. Spalte steht eine Vier, und zwar genau dort und nirgendwo anders. Auch gesehen?

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Und dasselbe gilt für diese Vier hier. Womit wir dann endlich alle neun Vierer zusammen hätten.




Was geht noch?

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Ah! Da findet sich noch eine Acht im Zwei-Sprung. Weil wir sehen, dass ganz unten links im Quadrat die Acht nur in der untersten Zeile stehen kann (gelbes Rechteck), wissen wir automatisch, wo die Acht im mittleren unteren Quadrat stehen muss.




Jetzt sind es nur noch ein paar Zahlen. Die sollten sich doch schnell finden lassen?


Nur nicht zu früh freuen, manchmal wird es am Ende nochmal richtig hart. Wie jetzt …



Der Versuchsballon

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Mit Rest-Test oder Einfach-Sperre findet sich nichts mehr, oder?


Es nützt also nichts, wir müssen einen Versuchsballon starten und solange fahren, bis ihm die Luft ausgeht oder er sicher landet.


Für diesen Test haben wir mehrere Möglichkeiten. Am besten sind Zeilen oder Spalten, in denen nur noch zwei Zahlen fehlen. Wir setzen eine davon ein und sehen, wie weit wir kommen. Geht der Versuch schief, muss die andere Zahl logischerweise die richtige Lösung sein. Alles klar?


Okay. Dann wählen wir die mittlere Zeile. Dort fehlen Sieben und Fünf (!). Wir setzen die Sieben ganz links ein und die daraus folgenden Siebenen in ihre jeweiligen Felder.

Jetzt wissen wir, dass ganz rechts in der mittleren Zeile eine Fünf steht und deswegen auch in der 2.Zeile/7.Spalte. Wir tragen sie ein. Noch sieht alles gut aus…












Ganz rechts in der 2. Zeile muss nun eine Drei stehen. Daraus folgen zwei weitere Dreier (gelbe Felder) und – ein Problem! Denn, im rot umrandeten Teil (mit Sieben und Drei) muss auf jeden Fall eine Eins stehen (rote Sperren, gelbe Kreise).


Diesem Ballon geht also pffffft die Luft aus. Die Sieben ganz links in Zeile 5 ist definitiv FALSCH!



Und nun richtig!

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Dann ist sie ganz RECHTS aber goldrichtig! Dort tragen wir sie ein und auch gleich die anderen Siebener.

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Und nun die Fünfer, angefangen ganz links in der 5. Zeile.


Einverstanden?


Es fehlen noch zwei Fünfer, aber die können wir noch nicht eindeutig bestimmen. Also erstmal mit was anderem weiter…

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Zum Beispiel der Zwei. Die gehört auf jeden Fall links unten ins obere linke Quadrat. Die restlichen Zweier folgen streng logisch…

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…genauso wie die Dreier. Wir beginnen diesmal in der 2. Zeile, denn dort ist nur noch ein Feld für sie frei.

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Mit den Achtern geht's ebenso. Start ist in der 4. Zeile (letztes freies Feld) und der Rest ergibt sich wie von selbst.

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Jetzt die Neun! Alle restlichen vier davon können wir nun richtig platzieren. Anfang ist im mittleren linken Quadrat, denn dort fehlt nur noch sie!

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Wir haben schließlich noch die Wahl zwischen Fünf und Eins. Weil die Fünf uns neben der Sieben zum entscheidenden Versuchsballon geführt hat und weil sich diese beiden Zahlen wie ein roter Faden durchs Sudoku ziehen, wollen wir ihr die Ehre des erfolgreichen Endes geben und setzen nun erstmal die Einser, wohin sie gehören.

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Hurra! Es ist geschafft! Unser Sudoku ist gelöst. Wir mussten nur einmal einen Versuchsballon starten, alle anderen Lösungen ergaben direkt sich aus reiner Kombination.


Mit ein paar gezielten Techniken kann man also auch ein richtig schwieriges Sudoku knacken. Man muss bloß einen Blick für den jeweiligen Hebel finden. Und das lässt sich trainieren.


Viel Erfolg!


(Sylt, 22.8.2007)